Meine kleine FUNino-Serie

Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel darüber geschrieben, wie Horst Wein die Spielintelligenz im Fußball mit seinem FUNino-Spiel verbessert.

Heute möchte ich in einem zweiten Beitrag zu diesem Thema erläutern, wie Du selber ein FUNino-Turnier organisierst und wie Du dieses Spiel in Dein tägliches Training integrieren kannst.

Was ist FUNino für ein Spiel?

FUNino ist ein Fußballspiel für Kinder im Grundschulalter. Das Spiel vereinfacht das Fußballspielen und macht es kindgerechter.

Das große Fußballspiel ist für kleine Kinder zu komplex. Im 11:11 kommen Kinder kaum zu Ballkontakten und das Spielfeld ist viel zu groß. Kinder haben dadurch zu lange Laufwege und kommen zu selten zu Torabschlüssen.

Dies alles führt dazu, dass die Jüngsten nicht optimal gefördert werden und schnell die Lust am Spiel verlieren.

FUNino wirkt dem entgegen, weil es auf folgende Prinzipien aufbaut:

  1. Es spielen drei Kinder in einem Team, so dass alle Spieler zu vielen Ballkontakten kommen.
  2. Das Spielfeld ist auf circa 30 x 25 begrenzt und somit auf die Größe der Kleinsten angepasst.
  3. Durch das kleine Feld kommt es zu vielen Möglichkeiten des Dribblings und des sich ausprobieren im Zweikampf.
  4. Gespielt wird auf vier Minitore ohne Torhüter, was sowohl die Passqualitäten, und hier vor allem die Genauigkeit, der Kinder fördert.
  5. Gleichzeitig wird die Spielintelligenz gefördert, da die Kinder von der Komplexität des Spiels nicht überfordert werden und dennoch viele Möglichkeiten haben, das Spiel kreativ zu gestalten.
  6. Viele Spielsituationen im FUNino ähneln sich. So werden bestimmte Muster und Techniken durch eine hohe Anzahl an Wiederholungen gefestigt.
  7. Da es keine fest zugeordneten Positionen gibt, werden die Kinder sehr vielseitig ausgebildet.
  8. FUNino ist so aufgebaut, dass es zu vielen Toren und dadurch zu vielen Erfolgserlebnissen für die Kinder kommt.
„Dadurch, dass jede Mannschaft in zwei voneinander getrennt stehenden Toren zum Erfolg kommen kann, wird die Wahrnehmungsfähigkeit, das Verstehen einer Spielsituation, das taktische Denken und Verhalten sowie die Fantasie und Kreativität der Kinder geschult. Im FUNino entdeckt jeder Spieler kindgemäß die gleichen Verhaltensweisen, die auch die besten Fußballspieler der Welt mit und ohne Ball auszeichnen.[1]

Ein FUNino-Turnier organisieren

Ich habe festgestellt, dass sich FUNino sehr gut zu vereinsinternen Turnieren eignet.

Ich übe mein Ehrenamt als Kindertrainer in einem großen Verein aus. Im Kinderbereich haben wir durchschnittlich zwei Mannschaften eines Jahrgangs am Spielbetrieb angemeldet.

Natürlich machen die Mannschaften in der Saisonvorbereitung und während der Winterpause viele Freundschaftsspiele und Turniere mit befreundeten Teams.

Seit einiger Zeit bereichern wir die Vorbereitung aber auch mit vereinsinternen FUNino-Turnieren.

Vorteile eines vereinsinternen FUNino-Turnieres

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass solche kleinen Turniere viele Vorteile für den Verein bringen.

Wenn in unserem Verein ein FUNino-Turnier stattfindet, mischen wir dabei auch die Jahrgänge. Die Idee dahinter ist ganz einfach: die stärkere Jahrgangsmannschaft macht ein FUNino-Turnier mit dem älteren Jahrgang und die schwächere Mannschaft mit dem jüngeren Jahrgang. Dadurch bleibt das Leistungsniveau der Kinder ähnlich und das Leistungsgefälle ist nicht zu groß.

Bei unseren Turnieren wählen die Kinder ihre Teams selber. Dabei achten die Trainer aber darauf, dass es zu gemischten Teams kommt. Gemischt bedeutet hier einmal im Jahrgang aber auch beim Leistungsniveau. Die Übungsleiter sollten also darauf achten, dass sich die starken Spieler nicht in einer Mannschaft bündeln.

Ideal ist es, wenn nun jedem Team ein Trainer zugewiesen wird. Dieser sollte sein Team frei spielen lassen. Zwischen den Spielen kann er die Mannschaft mit einzelnen Hinweisen unterstützen.

Wenn Du auf diese Art ein FUNino-Turnier organisierst, ergeben sich viele positive Effekte daraus:

  1. Die Kinder haben ein gemeinsames Erlebnis, auch wenn sie eigentlich zu unterschiedlichen Mannschaften gehören. Dies fördert den Zusammenhang innerhalb des Vereins.
  2. Auch die Eltern der unterschiedlichen Mannschaften können sich durch das Turnier besser kennen lernen.
  3. Die Trainer lernen die Kinder der anderen Mannschaften besser kennen und einzuschätzen.
  4. Schwächere Kinder werden beim FUNino besser eingebunden als beispielsweise beim Spiel 6:6 oder 8:8. Dadurch werden alle Kinder gefördert.
  5. Ein vereinsinternes Turnier ist leicht organisiert. Absprachen mit anderen Vereinen und Anfahrtszeiten entfallen.
  6. Bei FUNino können leicht parallele Felder aufgebaut und bespielt werden. Lange Wartezeiten zwischen den Spielen entfallen.

Die Regeln von FUNino

Horst Wein, der Erfinder des FUNino hat ein paar Grundregeln zum Spiel aufgestellt[1]. An diesen solltest Du Dich orientieren.

  1. Die Spielfeldgröße beträgt maximal 30 x 25 Meter.
  2. Auf der Grundlinie stehen zwei Minitore, zwischen denen ein Abstand von mindestens 12 Metern sein sollte.
  3. Parallel zu den Grundlinien wird im Abstand von sechs Metern eine Schusszone markiert.
  4. Ein Tor darf nur innerhalb dieser Schusszone erzielt werden.
  5. Ein verteidigendes Kind darf nicht länger als zwei Sekunden auf der Torlinie stehen.

Zudem sollte eine Mannschaft idealerweise aus vier Spielern bestehen. Drei der vier Spieler sind auf dem Spielfeld. Der vierte Spieler steht als Wechselspieler bereit.

Nach jedem Tor müssen beide Teams einen Spieler wechseln. Der Wechsel findet in der Mitte des Spielfeldes statt.

Abseits, Ecken und Elfmeter gibt es beim FUNino nicht. Alle Freistöße werden im Mittelfeld oder der eigenen Schusszone ausgeführt.

Beim Seiten- oder Toraus kann der Ball wahlweise als Pass oder per Dribbling ins Spiel zurück gebracht werden, wobei die Gegenspieler mindestens fünf Meter Abstand halten müssen.

Verschiedene Spielformen und Varianten des FUNino

Vor dem Spiel sollten sich die Trainer auf ein der vielen FUNino-Spielformen einigen.

Horst Wein beschreibt in seinem Buch „Spielintelligenz im Fußball: kindgemäß trainieren“ verschieden Möglichkeiten des FUNinos.

  • die Basisvariante zum freien Spiel
  • die FUNino-Spielform mit zurückhängendem Verteidiger – zur Schulung des Passspiels und dem Bilden von Dreiecken
  • Spielen mit Dribbeltoren – schult das Dribbling
  • FUNino auf ein längs aufgeteiltes Feld – bei dieser Variante dürfen die drei Mitspieler nicht auf der gleichen Hälfte stehen, wodurch das Spiel in die Breite geschult wird
  • FUNino in Über- und Unterzahl – nach Torerfolg spielt die Mannschaft in Unterzahl weiter, die eben ein Tor erzielt hat

FUNino ins reguläre Training integrieren

Wie Du beim Lesen dieses Artikels bestimmt mitbekommen hast, bin ich ein großer Freund des FUNino-Spiels.

FUNino ist deswegen ein fester Bestandteil meines Trainings.

Bereits bei den Bambinis und der F-Jugend beginne ich mit diesem Spiel.

Bei den Bambinis, also der G-Jugend, starte ich noch ohne Schusszone und lasse die Kids frei auf die vier Mini-Tore spielen.

Später haben meine Trainingseinheiten bestimmte Schwerpunkte. Meine FUNino-Spiele passe ich dementsprechend an.

Ein typisches Muster bei Kindern im sehr jungen Fußball-Alter ist die Rudelbildung. Alle Spieler wollen den Ball haben. Also laufen alle Kinder dem Ball auch hinterher. Jeder Bambini-Trainer kennt das: es entsteht ein chaotischer Haufen bei dem keine Positionen zu erkennen sind.

Mit FUNino kann ich hier entgegenwirken indem ich die Teams so aufstelle, dass ein Kind auf der linken Seite, ein Kind in der Mitte und ein Kind auf der rechten Seite spielt. Das Kind auf der linken beziehungsweise rechten Seite bekommt nun die Anweisung, dass es die Mitte nicht überqueren darf.

Bei der F-Jugend sollte, nach den Empfehlungen des DFB, das Dribbling im Mittelpunkt des Trainings stehen. FUNino passe ich nun entsprechend an und lasse auf vier Dribbeltore spielen.

Werden die Kinder dann ein wenig größer, eignet sich FUNino auch sehr gut zum Schulen des Passspiels. Eine mögliche Provokationsregel ist hier, dass alle drei Kinder den Ball berühren müssen, bevor ein Torabschluss erfolgt.

Eine weitere Möglichkeit zur Schulung des Passspiels ist FUNino mit zurückhängendem Verteidiger zu spielen, was zudem die Dreiecksbildung fördert.

Du siehst also, FUNino ist sehr gut dazu geeignet, verschiedene Trainingsschwerpunkte zu verstärken. Die von mir erwähnten Beispiele stellen dabei nur eine kleine Auswahl dar. Mit ein wenig Überlegung und Fantasie, lassen sich auch andere Schwerpunkte mit FUNino trainieren.

Tore und Materialien, die Du für FUNino brauchst

Um FUNino ordentlich spielen zu können benötigst Du ein kleines Set an Materialien.

Dies ist meine FUNino-Ausrüstung:

  1. Vier Minitore. Die meisten Vereine besitzen Mini-Fußballtore 20×0,80 m*. Diese sind aber relativ teuer. Alternativ kannst Du auch Pop Up Tore* verwenden. Pop Up Tore sind günstiger, halten dafür aber nicht so lange.
  2. Um FUNino auf Dribbeltore zu spielen brauchst Du natürlich Slalomstangen*. Diese sind in der Regel bei jedem Verein vorhanden.
  3. Zur Markierung der Schusszone nutze ich am liebsten Markierungsscheiben*

Zusammenfassung

Vereinsinterne Turniere, sei es als Trainingseinheit oder zur Saisonvorbereitung, bieten viele Vorteile. Warum also nicht einmal ein FUNino-Turnier organisieren?

Ein solches Turnier ist sehr einfach und schnell organisiert. Einige Dich mit Deinen Trainerkollegen auf eine der vielen FUNino-Formen, bildet die Teams und los geht es.

Mit diesem Artikel gebe ich Dir eine komplette Anleitung zu einem solchen Turnier!

Meine Empfehlung für Dich: integriere FUNino darüber hinaus auch ins tägliche Training. Du kannst mit diesem Spiel alle Grundlagen im Kinderfußball optimal schulen.

Quellen

[1] Horst Wein: Spielintelligenz im Fußball: kindgemäß trainieren* Meyer und Meyer Verlag; Auflage: 4. überarbeitete und ergänzte Auflage. (4. April 2016)