Passspiel oder Dribbling

Viele Fußballfans denken bei einem schönes Fußballspiel an das perfekte Passspiel. Sie denken an den FC Barcelona, der unter Pep Guardiola mit dem feinen Kurzpassspiel zwischen 2008 und 2012 den europäischen Fußball geprägt hat wie selten eine Mannschaft zuvor. Dann fallen Begriffe wie Tiki-Taka, Ballzirkulation oder One-Touch-Fußball.

Und auch der Erfolg der Deutschen Nationalmannschaft bei der letzen Weltmeisterschaft basiert auf einem guten Passspiel, Dominanz und Ballbesitz. Das Team steht im Mittelpunkt; es wird nur noch als „Die Mannschaft“ bezeichnet.

Doch das Rad der Zeit dreht sich auch im Fußball unaufhörlich weiter. Mittlerweile finden die gegnerischen Abwehrreihen immer häufiger Lösungen gegen Ballbesitz-Mannschaften.

Das Dribbling und das offensive 1:1 gewinnen wieder stark an Bedeutung um diese Abwehrreihen zu durchbrechen – übrigens auch beim DFB, wie dieses Zitat vom DFB-Chef-Scout Urs Siegenthaler zeigt.

„Überhaupt sollte das Dribbling eins der wichtigsten Ausbildungs- und Trainingsziele sein. Direktes Passspiel ist schön und gut, doch manchmal muss man es alleine riskieren. Das hat übrigens nichts mit Egoismus zu tun. Dazu braucht man Mut und Leidenschaft, die wichtigsten Tugenden im Sport.“ (http://www.zeit.de/sport/2010-08/siegenthaler-loew-taktik-gaal, Abruf 18.09.2017)

Unterschiedspieler entwickeln

Seit ein paar Jahren versucht der DFB deswegen vermehrt auf das Dribbling im Nachwuchsfußball einzugehen. In der Fachliteratur das DFB wird die Bedeutung von Dribbling, Fintieren und 1:1 immer häufiger thematisiert.

Der Hintergrund ist einfach: trotz mannschaftlicher Klasse fehlt es in Deutschland an den so genannten Unterschiedspielern wie Messi, Ronaldo oder Neymar.

Unteschiedspieler sind technisch stark, im Dribbling hervorragend ausgebildet und besitzen ein hohes Selbstvertrauen.

All dies braucht ein Offensivspieler um entschlossen in das 1:1 zu gehen, eine kreative Idee blitzschnell umsetzen zu können und so kompakte Abwehrreihen zu durchbrechen. Solche Spieler machen dann oft den Unterschied aus und müssen schon in der Jugend entwickelt werden.

„Die Maxime ‚Abspiel geht vor Dribbling‘ ist in der Nachwuchsförderung nicht zwingend richtig“ (Hansi Flick zitiert in http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-hansi-flick-kaempft-fuer-egoismus-im-nachwuchsfussball-a-1040583.html, Abruf 18.09.2017)

Dribbling in der F-Jugend

Das F-Jugend-Alter ist das ideale Lernalter für das Dribbling. Kinder in diesem Alter sind noch immer sehr ich-bezogen. Sie geben den Ball nur ungern ab und möchten lieber alleine aufs Tor stürmen.

Und gerade weil dieses Verhalten typisch für Kinder in diesem Alter ist, sollte der Trainer im F-Jugend Training dies nutzen und das Dribbling in den Mittelpunkt seiner Trainingsplanung stellen.

„Kinder wollen dribbeln, den Ball am Fuß sicher bewegen und bestenfalls einen Gegner ausspielen. Das vielseitige Bewegen des Balls fördert zusätzlich die Ballgeschicklichkeit und die Bewegungskoordination. Das Dribbeln ist deshalb der wichtigste Schwerpunkt im Training der F-Junioren!“ (DFB-Trainer Paul Schomann: „Kinderfußball, Ausbildung mit Konuept 1“ Philippka-Sportverlag, 1. Auflage 2014, S.124)

Leider kritisieren viele Trainerkollegen ihre Kinder wenn sie ins 1:1 gehen, anstatt den Ball abzugeben. Um das ich-bezogene Verhalten der Kinder besser zu verstehen, ist es wichtig, die Entwicklung des menschlichen Hirns ein wenig zu betrachten.

Das Gehirn von Kindern ist noch nicht komplett entwickelt, da es sich in mehreren Stufen aufbaut. Der letze Bereich der Entwicklung konzentriert sich auf den präfrontale Cortex im so genannten Frontallappen.

Der präfrontale Cortex ist für die Planung einer vorausschauenden, situationsangemessenen und somit zielgerichteten Handlung von großer Wichtigkeit. Da der präfrontale Cortex im F-Jugend-Alter noch nicht ausreichend entwickelt ist, empfinden die Kinder das Abspiel teilweise noch als Zwang und als Einschränkung ihrere individuellen Fähigkeiten.

In ihren Augen ist es kein Problem, den Gegenspieler mit einem Dribbling davon zu laufen.

Warum also abspielen?

Diese Kinder trauen sich das Dribbling zu und das ist auch gut so!

Als Erwachsene erkennen wir oft schon am Ansatz, dass ein Dribbling in bestimmten Situationen keinen Erfolg bringen wird. Kinder sehen das anders und dafür sollte man sie auch nicht kritisieren.

Quellen und weiterführende Literatur

Schomann, Bode, Vieth: „Kinderfußball Ausbildung mit Konzept 1“, Philippka-Sportverlag, 1.Auflage 2014
Entwicklumg der Exekutiven Funktionen: https://www.goethe.de/de/spr/unt/kum/jug/jla/20392162.html, Abruf: 18.09.2017
Hansi Flick über Egoismus im Nachwuchsfußball: http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-hansi-flick-kaempft-fuer-egoismus-im-nachwuchsfussball-a-1040583.html, Abruf 18.09.2017