Niederlagen schmerzen!

Es ist Wochenende. Ein ganz normaler Samstag. Heute früh war ich mit meiner F-Jugend unterwegs. Wir hatten ein Ligaspiel gegen einen guten, aber nicht unbezwingbaren, Gegner.

Wir verloren das Spiel ziemlich deutlich. Das wurmt mich und mein Samstag fühlt sich im ersten Moment vertan an.

Niederlagen schmerzen!

Das gilt nicht nur für den Erwachsenenfußball, sondern auch für den Kinderfußball. Dabei tut es den Eltern und Trainern oft mehr weh als den Kindern selber.

Die Kids machen bei uns immer direkt nach dem Spiel ein Elfmeterschießen. Schon wenn das erste Kind zum Elfer antritt, ist die Niederlage vergessen.

Doch ich als Trainer grübel und überlege: hätte ich Kind A vielleicht doch lieber auf seiner Lieblingsposition einsetzen oder B in die Abwehr stellen sollen, wo es am stärksten ist?

Doch dann besinne ich mich der Prinzipien des Kinderfußballs. Ein wichtiges Prinzip ist hier die Rotation.

Rotieren kostet Punkte, aber ist wichtig!

Und dann fällt mir wieder ein Zitat von Johann Cruyff ein: „Wenn ein talentierter Spieler nicht verteidigen konnte, dann habe ich ihn in die Abwehr gesteckt, damit er es lernt, was uns einiges an Punkten gekostet hat. Aber ich habe mich nicht um Punkte gesorgt.“

Und Cruyff hatte recht! Beim Kinderfußball hat die Rotation einen besonderen Hintergrund: sie dient der bestmöglichen Ausbildung unserer Nachwuchskicker.

Rotation gilt im Kinderfußball für zweierlei Ausprägungen:

  1. bei der Spielzeit
  2. bei den Positionen
Auch beim Erwachsenenfußball gibt es das Rotationsprinzip. Hier dient es vor allem der Regeneration. Bei den heutigen Anforderungen an einen Spitzenspieler ist die Regeneration wichtig um Verletzungen und Formtiefs vorzubeugen. Ein Championsleague-Teilnehmer wird somit mehr oder weniger zur Rotation gezwungen.

Wer nicht spielt, entwickelt sich nicht weiter!

Prinzipiell gilt bei der Arbeit mit Kindern der Grundsatz: wer nicht spielt, entwickelt sich auch nicht weiter!

Natürlich sollen unsere besten Talente besonders gefördert werden. Aber den schwächeren Kindern deswegen nur geringe Einsatzzeiten zuzugestehen ist hier der falsche Ansatz!

Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Häufig gibt es „Spätzünder“, die vom Leistungsniveau am Anfang hinten dran sind, aber mit den Jahren aufholen. Oft gibt es auch technisch versierte Spieler die aber klein und körperlich schwächer und aus diesen Gründen unterlegen sind.

Gerade für kleine Vereine ist es fatal, diese Kinder zu vernachlässigen!

Natürlich wollen wir als Trainer viele Talente hervorbringen. Doch was hat ein kleiner Verein davon, wenn das Talent später in ein Nachwuchsleistungszentrum wechselt aber der Verein die schwächeren Kinder nicht genug beachtet hat oder diese Kinder vielleicht aus Unmut den Verein längst verlassen haben?

Daher sollten alle Kinder in etwa die gleiche Spielzeit bekommen – auch wenn es uns Punkte in der Meisterschaft kostet!

Ausbildungsziele unserer Kinder

Im Kinderfußball müssen die Grundlagen für den Jugend- und Erwachsenenfußball gelegt werden.

Hierzu zählen:

  • eine allgemeine Grundlagenausbildung
  • ein allgemeines taktisches Verständnis
  • das Kennenlernen aller Positionen

Eine zu frühe positionsgebundene Spezialisierung ist mit diesen Zielen nicht vereinbar und bringt eine Handvoll Nachteile mit sich.

Unterschiedliche Positionen, unterschiedliche Anforderungen

Diese Nachteile ergeben sich zwangsläufig, da selbst im Kindesalter die verschiedenen Positionen unterschiedliche Anforderungen mit sich bringen.

Spielen Kinder im Grundschulalter nur auf einer festen Position, entwickeln sie sich zu einseitig!

Das einfachste Beispiel hierfür ist der Torhüter. Er hält sich stets in Nähe des eigenen Tores auf und darf den Ball neben dem Fuß auch zusätzlich mit der Hand spielen. Dadurch grenzt er sich entscheidend von allen Feldspielern ab. Steht ein Kind ausschließlich zwischen den Pfosten, kann es sich fußballerisch nur begrenzt entwickeln.

Aber auch der Unterschied zwischen einem Defensivspieler und einem Offensivspieler ist enorm. Wird ein Kind nur in der Abwehr eingesetzt, mag es ein guter Zweikämpfer werden. Doch wie mögen sich die Fähigkeiten im Dribbling, beim Torabschluss oder beim Fintieren entwickeln? Diese Fähigkeiten werden durch fehlende Spielpraxis nicht genügend gefördert und schränken das Kind später in seinem Können ein.

Damit sich Kinder optimal weiterentwickeln können, müssen sie ständig wechselnden Spielsituationen und somit wechselnden Positionen ausgesetzt sein!

Rotationsprinzipien

Um alle Kids bestmöglich auszubilden habe ich mir vier Rotationsprinzipien aufgestellt:

  1. ich rotiere zur Halbzeit
  2. ich rotiere zur Halbzeit auch die Torhüter, damit sie Spielpraxis außerhalb des Strafraumes bekommen
  3. ich rotiere bei Freistößen und Ecken
  4. ich beginne niemals mit der gleichen Aufstellung zweimal nacheinander

Viele Kindertrainer arbeiten mit einem festen Rotationsplan. Dabei durchlaufen die Kinder nach einem vorgegebenen Muster alle Positionen im Team. Beispielsweise beginnt ein Spieler als Torhüter und spielt nach der Halbzeit als Verteidiger. Das nächste Spiel beginnt dasselbe Kind dann im linken Mittelfeld und wechselt nach der Halbzeit auf die zentrale Position. Im dritten Spiel beginnt es als Stürmer und wechselt die zweite Hälfte auf die Position des rechten Flügelspielers.

Ich persönlich finde diesen Ansatz nicht optimal. Hat ein Kind beispielsweise Probleme im defensiven Zweikampf, sollte es nicht erst nach drei Spielen wieder als Verteidiger eingesetzt werden. Ein Teil des Lerneffektes würde in der Zwischenzeit verpuffen.

Wie bei vielen Sachen im Leben gilt also auch für die Rotation: agiere mit Augenmaß und beachte die Prinzipien – aber übertreibe es nicht, damit Du die Entwicklung der Kinder nicht einschränkst, weil Du es zu gut gemeint hast!

Bis zum nächsten Mal,

Dominik

Zum Weiterlesen

Wenn Du zum Thema Rotation im Kinderfußball noch ein wenig mehr lesen möchtest, kann ich Dir diese beiden Links empfehlen:

https://www.mfsfussballtraining.tv/blog/rotation-im-jugendfussball-unbedingt/
https://www.dfb.de/trainer/bambini/artikel/das-rotationsprinzip-im-kinderfussball-2293/