Fußballtraining mit Kindern

Das Wichtigste zuerst: Leidenschaft und ein Herz für Kinder!

Bei mir begann alles 2014. Deutschland wurde Weltmeister und mein Sohn verfiel endgültig der Magie des Balls.

Also meldete ich ihn bei der Bambinigruppe unseres lokalen Sportvereins an. Natürlich war ich überglücklich, dass nun mein Sprössling meine alte Leidenschaft mit mir teilt. Gleichzeitig fing es auch in meinen Füßen wieder an zu grabbeln.

Eine Saison lang habe ich es geschafft „nur“ Vater und Fan zu sein. Gleichzeitig begann ich im Unterbewussten die Arbeit der Trainer zu analysieren: Wie bringen sie den Kindern bestimmte Sachen bei und gibt es vielleicht alternative Möglichkeiten?

Dann fing ich an, mich über Kinderfußball zu belesen. Einfach aus Interesse und ohne feste Absicht.

In der zweiten Saison war es dann soweit. Unser Trainergespann brauchte Unterstützung und ich wechselte die Seiten: vom Fan zum Trainer.

So wie mir geht es vielen Müttern und Vätern in unserem fußballbegeisterten Land. Vielleicht kennst auch Du diese Situation?

Mit diesem Artikel möchte ich all die erreichen und ermutigen, die über ein Engagement als Kindertrainer nachdenken.

Natürlich braucht auch ein Kindertrainer ein wenig Erfahrung im Fußball, ganz ohne geht es nicht!

Aber vor allem braucht ein Kindertrainer ein Herz für Kinder!

Der Kindertrainer als Basis des Erfolges

Das die deutsche Nationalmannschaft zu den besten Teams der Welt gehören, hat sie zu einem kleinen Teil auch uns Kindertrainern zu verdanken.

Talente müssen systematisch aufgebaut und begleitet werden!

Nur durch eine entsprechend hochwertig „Grundausbildung“ kommen Talente auch im Spitzensport an. Bei uns im Kindertraining machen sie ihre ersten Schritte auf ihrem langen Weg.

Und auch die Tatsache, dass der DFB mit über sieben Millionen Mitgliedern, der größte Verband der FIFA ist, hängt ein Teil damit zusammen, dass der Kindertrainer bei den Kleinsten die Leidenschaft am Fußball weckt und fördert.

Kindertrainer und der Erstkontakt

Wir Kindertrainer sind die erste Anlaufstelle, wenn die Eltern ihren Nachwuchs in die Obhut der Vereine geben. Wir sind der erste Berührungspunkt junger Fußballfans mit dem organisierten Vereinssport.

Wir sind somit mit entscheidend, ob sich das Kind letzten Endes für den Fußballsport entscheidet oder nicht.

Es gibt keinen zweiten ersten Eindruck!

Diese alte Binsenweisheit muss uns Kindertrainern deswegen immer bewusst sein. Wenn der Trainer ein Herz für Kinder hat sowie offen und mit Freude auf das Kind zugeht, ist der erste Schritt getan.

Der zweite Schritt besteht dann darin, Spaß, Freude und Selbstbewusstsein im Kind zu wecken und es somit auch langfristig an den Verein zu binden.

Mit positiven Emotionen festigen wir die Beziehung der Kinder zu unserem Verein und unserer Sportart!

Vor allem die Vereine unterhalb des professionellen Fußballs benötigt die Basisarbeit der Kindertrainer. Nicht alle Kinder werden es später in die Spielerkader unserer Seniorenmannschaften schaffen. Doch durch Identifikation bleiben sie vielleicht in anderer Funktion dem Verein treu: als Schiedsrichter, Mannschaftsbetreuer, Ordner und viele Mehr.

Kinder bereichern somit jeden Verein in Gegenwart und Zukunft.

Die wichtigsten Prinzipien des Kindertrainings

Beim Training sollte der Kindertrainer unbedingt nach dem KISS-Prinzip planen und handeln.

KISS bedeutet in diesem Fall „Keep it short and simple“. Kinder sind nicht geschaffen für lange Erklärungen und komplizierte Aufgabenstellungen. Gerade die Jüngsten, also die Bambinis und die F-Jugend, möchten einfach nur Spielen.

Weder können sie sich lange genug konzentrieren um langen Standpauken zuzuhören, noch verstehen sie komplexe Trainingseinheiten.

Gerade die Kleinsten sollte der Trainer mit möglichst vielen Ballkontakten Spielen LASSEN. Mit LASSEN sind dabei konkrete Handlungsempfehlungen und Prinzipien verbunden:

  1. Lange Wartezeiten vermeiden!
  2. Aufgaben einfach gestalten!
  3. Spielerisch üben!
  4. Spielangebote wechseln!
  5. Erfolgserlebnisse ermöglichen!
  6. Nicht nur fußballspezifische Lernziele verfolgen!

Absolute Tabus im Kindertraining sind dagegen:

  1. Vereinfachtes Erwachsenentraining!
  2. Taktische Trainingseinheiten!
  3. Klassisches Konditionstraining!

Auch das altbekannte Einschleifen, bei dem sich beispielsweise zwei Spieler gegenüber stellen und sich den Ball in Endlosschleifen zupassen, sollte im Kindertraining keinen zu großen Platz bekommen!

Natürlich müssen bestimmte technische Grundlagen so oft wie möglich wiederholt werden, damit die Kinder diese verinnerlichen können. Dies sollte aber in vielen unterschiedlichen Situationen und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Reize geschehen.

Grundlagentechniken in wechselnden Situationen kann der Trainer beispielsweise durch kleine Spiele mit Provokationsregeln oder durch Zusatzaufgaben bei Torschussübungen fördern.

Es gibt viele Wege zum Kindertrainer

Im Land des aktuellen Weltmeisters mangelt es an Kindertrainern!

Doch nicht nur die Quantität ist ein Problem, sondern auch die Qualität. Es mangelt in Deutschland nämlich nicht nur an der Anzahl der Trainer, sondern auch an gut ausgebildeten Übungsleitern.

Dies liegt sicherlich zum großen Teil an der heutigen Gesellschaft, in der der tägliche Job einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Dies schränkt wiederum die Bereitschaft und die Möglichkeit für ehrenamtliche Aufgaben stark ein. Deutschland zählt deswegen neben dem Fußball auch beim Berufspendeln zu den Top-Ländern.

Um den Trainermangel entgegenzuwirken, versuchen viele Vereine die Eltern der Kinder mit in die Verantwortung zu nehmen.

Zum Anfang dieses Artikels habe ich beschrieben, wie ich Kindertrainer geworden bin. Und ich weiß, so wie mir geht es vielen Übungsleitern.

Eine andere Möglichkeit, um neue Kindertrainer zu gewinnen, sehen viele Vereine bei ihren jugendlichen Mitgliedern.

Oft begleiten Jugendliche der A-Juniorenmannschaft das Amt des Kindertrainers oder eines Co-Trainers. Die Vereine schlage somit zwei Fliegen mit einer Klappe: sie binden die Jugendlichen zusätzlich an den Verein und lösen gleichzeitig das Trainerproblem.

Doch zwangsläufig mangelt es diesen jungen Trainern an Erfahrung, Wissen und an einer methodischen Herangehensweise bei Organisation und Durchführung der vielen Aufgaben des täglichen Trainerdaseins.

Wohl dem, der hier vom Verein einen Mentor zur Seite gestellt bekommt.

Zum Glück haben der DFB und die Landesverbände bemerkt, dass jugendliche Trainer besonders gefördert werden müssen. Die Verbände haben auf den Trend zum Jugendtrainer reagiert und unterstützen Jugendliche, die sich hier ehrenamtlich engagieren möchten.

Der DFB entwickelte deswegen ein eigenes Ausbildungskonzept für diese Zielgruppe, dem DFB-Junior-Coach.

Der Junior-Coach ist die erste Ausbildungsmöglichkeit und für Jugendliche als Einstieg in die lizenzierte Trainertätigkeit gedacht. Jungen Menschen ab 15 Jahren werden bei der Ausbildung verschiedene Grundlagen der Trainingslehre beigebracht.

Für alle Erwachsenen, also für Eltern oder ehemalige Spieler, ist dagegen die C-Lizenz des DFB ideal geeignet um die Grundlagen des Kindertrainings zu lernen.

Und die Ausbildung zur C-Lizenz greift noch weiter. Nach Abschluss und bestandener Prüfung ist der Trainer in der Lage, Mannschaften vom Kinder- über den Jugendbereich bis hin zum Erwachsenenbereich in den untersten Amateurligen zu trainieren.

Die Ausbildung umfasst verschieden Module wie:

  • Grundlagenwissen
  • Regelkunde
  • Besonderheiten im Kinderfußball
  • Besonderheiten im Jugendfußball
  • Organisation, Planung und Steuerung von Trainingseinheiten
  • Rechtliche Grundlagen
  • Praktiche Trainingseinheiten

Aber auch ohne Lizenz, mit viel Herz und dem Willen dich selber weiter zu bilden, kannst Du ein guter Kindertrainer werden.

Das macht einen guten Kindertrainer aus

Egal wie man zum Kindertrainer kommt und ob man eine DFB-Lizenz besitzt oder nicht, ein guter Coach sollte ein paar Dinge beachten.

In erste Linie sollte er die oben genannten Prinzipien beachten, also die Kinder spielen LASSEN und kein Erwachsenentraining mit den Jüngsten durchführen!

Darüber hinaus nimmt der Kindertrainer aber noch eine ganze Reihe von verschiedenen Rollen für die Kinder ein. Für das Kind ist er:

  • Trainer. Natürlich steht die fußballerische Ausbildung auch bei den Jüngsten ganz an erster Stelle. Der Trainer setzt hierzu die Schwerpunkte, plant die Trainingseinheiten, führt sie aus und wertet sie aus.
  • Organisator. Der Trainer organisiert alle Themen rund ums Team. Das fängt beim Elternabend an, setzt sich über die Spiele fort bis hin zu Weihnachtsfeiern und den Saisonabschluss.
  • Spielleiter. Der Trainer sollte die wichtigsten Regeln des Spiels kennen. Er wird sowohl im Training und vielleicht auch einmal in einem Spiel als Schiedsrichter fungieren müssen.
  • Vorbild. Der Umgang mit Kindern sollte stets korrekt sein. Für sie ist der Übungsleiter ein Vorbild. Kinder sehen zu ihrem Trainer auf und orientieren sich an ihm.
  • Tröster. Diese Rolle ist vor allem nach Niederlagen sehr wichtig, um den Kindern die Lust am Fußball nicht zu nehmen und ihnen beizubringen, dass Niederlagen zum Leben eines Fußballers dazu gehören.
  • Spaßmacher. Kinder wollen vor allem Spaß haben! Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Trainer auch ein Spaßmacher sein kann. Dadurch fühlen sich die Kinder befreit und können sich ideal entwickeln.
  • Erzieher. Natürlich stehen Kindertrainer in einer großen Verantwortung. Die Kinder schauen zu ihren Trainern auf und das sollten diese nutzen um ihnen sportliche Werte wie Fairness und Miteinander zu vermitteln.

Damit sich der Trainer bei der Vielzahl an Aufgaben nicht übernimmt, empfiehlt es sich ein paar Dinge zu delegieren. Auch das sollte ein Trainer können.

So könnte beispielsweise die Organisation der Weihnachtsfeier oder die Verwaltung einer Mannschaftskasse von einem tüchtigen Elternteil übernommen werden. Ein Co-Trainer könnte bei der Planung und Durchführung der Trainingseinheiten helfen.

Diese Inhalte müssen vermittelt werden

Beim Kinderfußball liegt der Fokus auf einer fußballerischen Grundausbildung sowie der Förderung der allgemeinen Koordination und Schnelligkeit. Die Kinder sollen sich daher

  • vielseitig bewegen
  • koordinativ und fußballübergreifend geschult werden
  • alle Basistechniken kennen lernen
  • die Grundregeln des Spiels verstehen
  • die eigenen Grenzen kennen lernen

Um diese Punkte ideal umsetzen zu können sind vor allem drei Dinge wichtig:

  1. Die Kinder müssen sich in freien Spielen ausprobieren können. Der Trainer muss ihnen also gewisse Freiheiten geben, damit sie viele verschiedene Situationen kennen lernen können.
  2. Das Training muss abwechslungsreich gestaltet sein. Es darf keine Monotonie und Langeweile aufkommt, damit verschiedene Lernreize gesetzt werden können.
  3. In den fußballspezifischen Teilen des Trainings sollten die Kinder möglichst viel Ballkontakte bekommen. Dies geschieht zum einen, wenn alle Kinder beim Üben einen Ball haben und zum anderen bei Spielen in kleinen Gruppen.

Dem Trainer muss klar sein, das es beim Kinderfußball in erste Linie um die Ausbildung der Kinder geht!

Somit sind Sieg und Niederlage im Wettspiel nur zweitrangig zu bewerten. Viel wichtiger ist es, dass alle Kinder auf unterschiedlichen Positionen zum Einsatz kommen. Nur so können sie sich bestmöglich entwickeln. Es gilt das Motto: Lernen vor Siegen!

Bei der Vermittlung der Trainingsinhalte sollte der Trainer darauf achten, dass die gestellten Aufgaben das Kind motivieren. Das bedeutet auf der einen Seite, dass die Übungen nicht zu leicht sein dürfen aber auf der anderen Seite das Kind auch nicht überfordern dürfen.

Am Besten lernen die Kinder zudem in einem Klima der Freude. Deswegen sollte der Trainer eine gewisse Portion Humor mit bringen und ein positives, angstfreies Klima schaffen.

Mit Lob darf nicht gespart werden! Kritik sollte vorsichtig geäußert werden!

Diese Trainerpflichten müssen unbedingt beachtet werden

Übernimmt man als Trainer eine Kindermannschaft muss einem klar sein, dass man eine große Verantwortung trägt!

Die Eltern übergeben dem Verein für die Zeit des Trainings ihre Kinder in die Obhut. Dadurch übernimmt der Trainer eine handvoll Pflichten.

  • Der Trainer hat dafür Sorge zu leisten, dass die Kinder nicht unbeaufsichtigt sind!
  • Der Trainer betritt als Erster die Kabine und verlässt sie als Letzter!
  • Der Trainer ist für das Trainingsmaterial zuständig und hat Sorge zu leisten, dass die verwendeten Materialien kein Verletzungsrisiko darstellen!
  • Der Trainer ist für die Kinder eine wichtige Bezugsperson und muss sich daher vorbildlich verhalten. Dies betrifft vor allem den Umgang mit Alkohol, Nikotin und das gegenseitige Miteinander!

Eine kurze Zusammenfassung

In Deutschland mangelt es an Kindertrainern. In den Vereinen ist Kreativität gefordert, um genügend und vor allem gute Trainer zu finden.

Doch was zeichnet einen guten Kindertrainer eigentlich aus?

Ein Herz für Kinder zu haben ist zweifelsfrei die wichtigste Voraussetzung, um ein guter Kindertrainer zu sein!

Aber Herz alleine reicht nicht aus. Auch der Verstand, also das Wissen um das Handwerkzeug eines Trainers, gehört dazu.

Um sich dieses Wissen anzueignen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise bieten die Fußballverbände verschiedene Aus- und Fortbildungen. Am wichtigsten ist hier aber die persönliche Bereitschaft zur Weiterbildung – egal ob durch Kurse oder durch Literatur.

Im Training selber darf der Trainer die Kinder nicht über- aber auch nicht unterfordern. Es gilt, die richtige Mitte zu finden und die Kids mit möglichst vielen Ballkontakten spielen zu LASSEN.

Natürlich darf ein Kindertrainer neben den fußballerischen Aspekten auch nie das Drumherum aus dem Auge verlieren und muss sich stets seiner Vorbildfunktion und Verantwortung bewusst sein.

Quellen und weiterführende Links

https://www.dfb.de/dfb-junior-coach/start/, Abruf: 26.08.2017
https://www.dfb.de/trainer/f-juniorin/artikel/als-kindertrainer-stehen-sie-in-der-verantwortung-179/, Abruf: 26.08.2017